Briefe

Selbst Briefe, die bisher routinemäßig geschrieben und erwartet wurden, haben in schwarz-blauen Regierungszeiten eine wesentlich größere Bedeutung als in früheren Jahren.

Liessmania

Über das Gespräch, das Konrad Paul Liessmann und Peter Sloterdijk mit Wolfgang Schüssel im Juni während eines gemeinsamen Essens führten, ist mir nichts bekannt. Wohl aber nahm ich an einer Podiumsdiskussion Ende Juni teil, die von der Grünen Bildungswerkstatt veranstaltet wurde. Bei dieser Gelegenheit hörte ich Liessmann über Perspektiven des Widerstands gegen die neue Regierung sprechen.

VorRisse

Dieses Heft ist gleichzeitig Doppel- wie Nullnummer. Im politischen Übergang von einer Regierung der Neuen Mitte auf eine rechtsrechte Regierung erschien es uns adäquat, auch über einen Übergang nachzudenken, die Kulturrisse von gewohnt Gewordenem und Diffusem zu befreien und in eine prägnante Vierteljahreszeitschrift für radikaldemokratische Kulturpolitik umzuwandeln. Mit verdoppeltem Umfang, gestrafften Inhalten und einigen spitzeren Federn. Die neue Struktur weist vier Ressorts auf, die abwechselnd durch

Identity kills. Gegen die Instrumentalisierung der Kultur für das in Europa grassierende Gespenst der Identität

Aus: Einheit Europa. Kulturrisse . Dezember 1998. "... Der Kulturentwicklungsplan dient vor allem der Entwicklung einer Linz-spezifischen kulturellen Corporate Identity...”, diese unverwechselbare Identität ”wiederum als Waffe in der zunehmenden Städtekonkurrenz im Europa der Regionen”. Der stolze Linzer Bürgermeister Dobusch bringt die Sache auf den Punkt. ... Es ist der erklärte kulturpolitische Wille der Stadt, "Kunst und Kultur als wesentliche Identitätsfaktoren der Stadt nach innen und außen

Zwischen Gulag und shopping mall. Europäische Identität und "Osterweiterung"

Aus: Einheit Europa. Kulturrisse . Dezember 1998. Wenn sich heute die europäische Kultur mit dem Problem der sogenannten Osterweiterung befaßt, muß sie in erster Linie ihr Verhältnis zur Politik kritisch reflektieren. Hier wie kaum anderswo kommt ihre politische Rolle zum Vorschein, da sie - die Kultur - es ist, die in der gegenwärtigen Welt die wichtigsten Prozesse der politischen In- und/oder Exklusion entscheidend reguliert. Nun, bevor

Kolonisiere deine Nächsten wie sie dich! Österreichs Sendung im Donauraum

Aus: Kulturkolonien. Kulturrisse . August 1998. Daß Monarchiesehnsüchte hierzulande außerordentlich gut gedeihen, verdeutlicht die Stimme des Volkes beim Eröffnungsfest der österreichischen EU-Präsidentschaft am Heldenplatz: "I bin für die EU, weil der Herr Habsburg dann Präsident ist...“ Daß derartige Retro-Romantik aber auch mit handfesten ökonomischen Interessen korreliert, zeigen Oliver Marcharts Betrachtungen zur Verkabelung Mitteleuropas. In den 80ern war die Idee Mitteleuropas von konservativen Intellektuellen - meist aus

Bella gerant alii ...

Aus: Kulturkolonien. Kulturrisse . August 1998. Wem die Frage nach der Rolle der Kultur bei der sogenannten "Osterweiterung Europas" heute gestellt wird, der muß zuerst diese zwei Begriffe irgendwie verbinden können. Und schon diese erste Aufgabe ist nicht einfach. Zumindest nicht im Rahmen des herrschenden politischen Diskurses. Hier scheint eine einzige Frage dominant zu sein: ob und inwieweit die neuen Kandidaten die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine